News: 100 Tage bis zur Einreichung
Der Zivildienst ist neben Militärdienst und Zivilschutz eine tragende Säule des Schweizer Dienstpflichtsystems. Seit knapp 30 Jahren haben Militärdienstverweigerer aus Gewissensgründen die Möglichkeit, einen zivilen Dienst im öffentlichen Interesse zu leisten. Bis 1996 wurden sie von Militärgerichten noch zu Gefängnisstrafen verurteilt. Im Beitrag des Magazins Mensch und Umwelt werfen wir einen besonderen Blick auf die Herausforderungen der ZDG Revision für Umweltbetriebe.
STARK VERANKERTER ZIVILDIENST
Heute werden jährlich zwischen 6000 und 7000 junge Männer (und ein paar wenige Frauen) zum Zivildienst zugelassen. Dabei haben sie im Gegensatz zu den beiden Alternativen 1.5 mal mehr Tage zu leisten. Die Einsatzbetriebe müssen im öffentlichen Interesse sein und werden durch das Bundesamt für Zivildienst minutiös kontrolliert. Die Zivis kommen dort zum Einsatz, wo der Bedarf am grössten ist. Junge Menschen, die aus Gewissensgründen einen Zivil- statt Militärdienst leisten, übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft. Doch seit Anfang Oktober ist klar: Das Parlament hegt Zweifel an den Motiven der Militärdienstverweigerer.
ERSCHWERTER ZUGANG
So weit, so gut. Aber was heisst das konkret? Mit sechs Massnahmen erschwert das Parlament den Zugang zum Zivildienst massiv. Die Zulassungen sollen um 40 % sinken. Leidtragende sind Zivis und Einsatzbetriebe – und alle, die von deren Diensten profitieren. Dabei geht es dem Parlament nicht nur um die Zugangsbeschränkung. Es erhofft sich durch diese Massnahmen, dass mehr junge Menschen im Militär ausharren. Die Massnahmen werden von Verbänden wie dem Schweizer Zivildienstverband CIVIVA und den betroffenen Einsatzbetrieben als schädlich und gefährlich verurteilt.
Auch viele Umweltorganisationen mobilisieren gegenwärtig gegen die Verschärfungen des Zivildienstgesetzes. Sie warnen vor wegbrechenden Kapazitäten und ungewisser Planungslage. Längst ist klar: Fallen Zivis weg, fallen Dienste weg, fällt Umweltschutz weg. Andreas Wolf von der Stiftung Wirtschaft und Ökologie SWO brachte es in der Medienkonferenz zur Lancierung des Referendums auf den Punkt: «Bei der SWO arbeiten wir im Naturschutzbereich jährlich mit über 100 Zivildienstleistenden zusammen. Diese leisten bei uns jedes Jahr rund 6000 Diensttage. Mit bis zu 4 Gruppen à 6 bis 8 Zivildienstleistenden führen wir unter fachkundiger Leitung Arbeiten aus, welche das Gewerbe nicht ausführen kann oder will. Es sind handarbeitsintensive Arbeiten, welche mit Landwirtschaftsmaschinen nicht umgesetzt werden können. Durch diese Arbeiten werden Ökosysteme erhalten, die Biodiversität erhöht und Ressourcen geschützt. Unsere Zivildienstleistenden leisten somit täglich aktiv einen extrem wichtigen Beitrag für Klima, Biodiversität und Gesellschaft.»
Was bleibt also zu tun? Bis Ende 2025 können Unterstützer und Unterstützerinnen eines starken Zivildienstes das Referendum noch unterschreiben. Somit bleibt genügend Zeit für die Beglaubigung der Unterschriften.